Gestern Abend so um neunzehn Uhr sagte ein Freund zu mir, nun hätten in Thüringen die Faschisten gewonnen. Ein anderer widersprach ihm: die AfD wäre keine faschistische Partei, auch der Höcke wäre kein Faschist. Ein Dritter warf ein, dass diese Bezeichnungen historisch nicht korrekt wären, es müsse Nationalsozialist heißen, außerdem hätten die gar nicht gewonnen, sondern die rot lackierten Faschisten. Er meint das nicht so, es ist nur eine historische Reminiszenz, weil die Kommunisten früher so genannt wurden, und die Linke trotz allem ja aus ihnen hervorgegangen ist.
Ich persönlich glaube auch nicht, dass der Höcke ein Faschist ist, jedenfalls nicht nach den Interviews, die er den „Systemmedien“ gegeben hat (und denen ich verfallen bin). Und wenn ich mir die Fotos anschaue, sehe ich erstmal nur Menschen wie du und ich, die sich über ihren Wahlerfolg freuen. Ich glaube noch nicht mal, dass ich da etwas beschönige. Ich sehe keine neue Diktatur heraufdämmern. Nicht aus der Ecke. Viel eher sehe ich die Gefahr aus dem Gerät, mit dem ich diesen Blog schreibe und den Konzernen, die dahinter stehen, dem Wissen, das sie über uns sammeln und den Kontroll- und Manipulationsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben.
Es ist ein schönes Gerät. Habe ich mir neu gekauft. Noch benutze ich es wie meinen guten alten Laptop, aber ich habe einen Stift dazu, mit dem ich auf dem Bildschirm, der abnehmbar ist, malen kann. Wenn ich den Deckel hochklappe, erkennt es mein Gesicht, und nur dann öffnet sich der Desktop. Es hat auch mein Smartphone gekapert (das nicht so heißt, weil ich smart bin, sondern weil es smart ist) und tauscht sich mit ihm aus. Es liefert mir die Nachrichten aus der alten Welt, an der ich so hänge, wo es Wahlerfolge und –niederlagen gibt. Es spielt mir personenbezogene Werbung ein und ich glaube, selbst die Nachrichten sind die, die ich hören will. Frage: Ist die Linke in Thüringen auch in deinen Nachrichten auf 31% gekommen?