Ich habe mir ihren Auftritt im Weißen Haus angesehen.1 Die Überschrift im Guardian beinhaltete ein Shakespeare-Zitat, das im Englischen eine feste Redewendung ist. Doth the lady protest too much?
Es ist eine altertümliche Redewendung,
die einen eigenen Eintrag bei Wikipedia hat.2 Sie stammt aus Hamlet. Es ist ein jambischer Pentameter oder Fünfheber. Habe ich gelesen. Die Königin sagt das zu ihrem Sohn Hamlet, als der sie fragt, wie ihr das Stück gefällt: „The lady doth protest too much, methink.“ Frank Günther übersetzt das mit: „Die Dame beteuert zuviel, mein ich.“ Sie beteuert ihre Unschuld in einem Maße, dass man ihr nicht mehr so recht glauben mag, soll das bedeuten.
Der Guardian erinnert daran, dass es einen
„Wag the dog“3-Moment
gab, als Trump seinen scheinbar willkürlichen Krieg gegen den Iran vom Zaun brach, um nämlich von dem Skandal um die Epstein-Akten abzulenken.
Wird das Prinzip nun umgekehrt? Sollen die Epstein-Akten nun vom nicht wie gedacht gelaufenen Krieg gegen den Iran ablenken.
Melania steht da wie eine Rachegöttin, geschnitzt aus einem harten Material, Holz würde ihr zu viel Ehre antun, das Gegenteil ihres unkontrolliert agierenden Mannes, vollständige Kontrolle über jeden Gesichtsmuskel, unbeweglich bis zur Selbstverleugnung, liest sie einen anwaltsgeprüften Text ab, der durchaus Elemente des Zorns enthält. Und völlig ohne Not zerrt sie die Epstein-Geschichte wieder ans Tageslicht, beteuert, dass sie nie mit Epstein oder Maxwell befreundet war. Eine Rückablenkung sozusagen. Wenn man auf einen entsprechenden Link klickt, gerät man auf den X-Account eines Chuck Todd. Die Kommentare sind witzig und bissig.
Einer schreibt darunter: ein Wunder, dass sie keinen Weg gefunden haben, Biden zu beschuldigen. Und dann schreibt ein Larry Cornell:
„What if Melania is throwing Donald under the bus?”
Ein anderer sagt, dass Trump einfach die Geschichte hasst, die herumgeht, dass Melania zuerst mit Epstein geschlafen hat, und dass sie Trump bildlich gesprochen kennengelernt hat, als sie aus Epsteins Schlafzimmer kam. Deshalb hat er sie jetzt gezwungen, rauszugehen und der Presse und der Welt zu erklären, dass sie nie etwas mit Epstein hatte.
Mir gefällt am besten der Spruch: „What if Melania is throwing Donald under the bus?”
Es würde zu meinem Racheblog von letzter Woche passen. Nicht dass es darum geht, dass etwas zu meinem Blog von letzter Woche passt. Aber wie soll eine Frau werden, die selbst unter die Räder gekommen ist? Die, warum auch immer sich von Epstein und Trump an der … nun ja, es widerstrebt mir, Trumps Locker-Room-Talk hier zu wiederholen.
Jeder Mensch ist mehr oder weniger locker und unverkrampft oder eben nicht. Selbstverständlich kenne ich Melania nur von Bildschirmen und nur kontrolliert ohne emotionale Regung, es sei denn, man nimmt versteinert als eine Art von Emotion. Irgendwann war sie bestimmt ein Mädchen wie jedes andere, das kreischend über den Spielplatz oder um den Weihnachtsbaum getobt ist. Was ihr widerfahren ist, dass sie so kontrolliert hat werden lassen, in diesem Maße regungslos, weiß ich nicht, obwohl man sich bei ihrem Umgang einiges zusammenreimen kann.
Ich denke schon, dass sie Rache will. Sie will aber auch das viele Geld und ihre Ansprüche aus der Ehe mit dem orangenen Mann nicht verlieren. Da darf man nichts falsch machen. Da darf man sich nicht vergessen. Soll die Welt sich wundern, was sie da zu viel beteuert.