Frank Georg Schlosser

Worte schaffen Wirklichkeit – sie müssen sich nicht immerzu darum scheren sie getreulich abzubilden.

Liegengebliebene Arbeit

Aufgefordert aufzuschreiben, was für mich am Mauerfall vor dreißig Jahren das Wichtigste war, kann ich nur sagen, dass ich froh bin, dass sie weg...

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Die SED war die CDU der DDR

Nun schreien sie Zeter und Mordio. Dabei war es meine absolut zutreffende These schon gleich nach der Wende: Die SED war die CDU der DDR. Bevor nun...

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ÜBER DAS SCHREIBEN 

Schreiben, noch dazu einen Roman, ist wie eine lange Reise, auf der man viele Leute kennenlernt.

Manchmal sind sie wie eine Familie, manchmal ein Haufen komischer Vögel, mit denen man im Hotel nicht den Frühstücksraum teilen wollte.

Man muss über sich hinauswachsen, nicht nur, um mit ihnen klarzukommen. Wäre langweilig, wenn sie nur könnten, was ich kann, nur dächten, was ich denke.

Ich muss sie nach ihrem Leben befragen, ihnen zuschauen, wie sie handeln, was sie sagen. Das bringt oft überraschende Wendungen.

Es ist faszinierend, wie viele Leute – und sei es nur auf Zeit – in so einem Kopf Platz haben.

Ist sehr unterhaltsam.

Hoffentlich auch für Sie.

DAS GESCHRIEBENE

Erzählungen, Romane, ein Drehbuch und ein Libretto

Stephen King, einer meiner Lieblinge, hat auf die Frage, wie er das mache, jedes Jahr wenigstens zwei Romane rauszuhauen, sinngemäß geantwortet: er schreibe pro Tag mindestens zweitausend Wörter, da wäre es eher eine Schande, dass es pro Jahr nicht sechs Romane sind. Mein erster Roman hat fünf Jahre gebraucht, der zweite jetzt sogar sechs Jahre. Das liegt an der Qual. Mir macht es unheimlich viel Spaß zu lesen, was ich geschrieben habe, aber das Schreiben … wink Trotzdem hoffe ich, jetzt einen Workflow gefunden zu haben, der den output (Auswurf wollte ich nicht schreiben) steigert.

Und dann ist es doch erstaunlich, dass am Ende von jetzt ca. 18 Jahren zwei Romane, mehrere Drehbücher (von denen ich allerdings nur eins für vorzeigbar halte), ein Libretto und eine Menge unterhaltsamer Kurzgeschichten entstanden sind. Im Moment sind es nur zwei Bände Kurzgeschichten, die hier käuflich zu erwerben sind, aber der Rest wird in nicht allzu ferner Zukunft folgen.

Kurzgeschichten

Kitsch, kitschig hingestellt (Bd.1) und Die letzte Tür am Ende des Ganges (Bd.2) – als kindle hier verfügbar
Züge im Supermarkt, Dollars für Kastanien, die Tote im Teppich, der Typ auf dem Kompost, die Weihnachtsfigurine des Grauens, Sex im Museum, der erste Kuss, der Einfluss einer toten Amsel auf die Libido, der hilflose Vater zerschmettert den Laptop, der Daimler der Geliebten im Swimmingpool, heiteres Prominentenraten und und und

Romane

Drei Jahre bis Leipzig
Die Liebe und das Geld im Skiurlaub

Der Richter und der Fluch der Furie
Die Geister der Ahnen greifen nach dir, wenn du sie nicht versöhnst

Drehbücher

Das Stimmende
Elsa Lindenberg muss sich entscheiden, ob sie ihrem verrückten Geliebten Wilhelm Reich folgen soll, der auf der Flucht vor den Nazis durch halb Europa tourt und versucht, Kommunismus und Psychoanalyse zu verschmelzen. Scheitern vorprogrammiert.

Libretto

Eleonore und Fayola
Der frustrierte Bildhauer Niklas, der sich viel darauf zugute hält, dass er unbestechlich ist. Die einstige Schulfreundin, jetzt Staatssekretärin, die ihm für das Ministerium einen Auftrag zuschanzen will. Und die geheimnisvolle Unbekannte, die einen Anschlag auf die Staatssekretärin plant.

FOTOGRAFIE

Es gibt das Bonmot über Maupassant, dass er einen Faden vom Boden aufgehoben und gesagt hätte, ein wahrer Autor müsse darüber eine Geschichte schreiben können. Ähnlich ist die Aufgabe, über ein beliebiges Foto eine Geschichte zu erfinden. Dafür braucht es erstmal die Fotos. Fotografieren ist eine andere Art des Schauens. Verlogen, weil nur zu sehen ist, was vor der Linse kreucht und fleucht. Der Beobachter tut, als könne er ignoriert werden. Am Ende ist es wie beim Schreiben. Der Gefahr, sich nackich zu machen, entgeht niemand.

Schönheit des Verfalls

Ich liebe verfallende Gebäude. Wenn die Blumen aus den Ziegeln wachsen, eine Birke in der Dachrinne steht, bemächtigt sich meiner eine unerklärliche Freude. Es gab in den Comic-Filmen, die meine Kinder im Disney-Club Sonntagmorgen schauten (ist also echt lange her) eine „Figur“, die hieß Poison Ivy. An die muss ich immer denken, weil sie die Hoffnung verkörperte, dass die Natur sich alles zurückholen wird. Schwer vorstellbar bei dem Dreck, den sie um die Mercedes-Benz-Arena herum gebaut haben. Verbrecherpack! Aber ich hoffe, Poison Ivy kriegt sie alle.

Schwelgen in Farben

In allem steckt Farbe, eine Spielerei der Materie, das Licht zu verschlucken und wieder auszuspucken. Und das Auge freut sich dran oder auch nicht. Das Auge ist manchmal zu schwach sie zu sehen und zu genießen. Aber dafür gibt es die Farbregler. In natura sah das Wasser nicht so blau, die Blumen nicht so rot aus.  Aber sie hatten das Potenzial so zu sein. Und Lightroom oder photoshop machen es möglich: zu sehen, wie fett das Rot hätte sein können. Auch HDR ist sehr gut geeignet, einen tristen Anblick in etwas Atemberaubendes zu verwandeln. 

Verrückte Spiegelungen

Zwei Medien spiegeln besonders gut: Wasser und Glas. Und was dann auf dem Bild erscheint, hängt ganz von dem Medium ab, wie sauber es ist, wie glatt, wie ruhig oder unruhig. Und bei Spiegelungen im Glas mischt sich manchmal das Gespiegelte mit dem hinter dem Glas Befindlichen auf zauberhafte Weise. Oft ist das gespiegelte Objekt ganz klar, aber sobald ein Lüftchen das Wasser kräuselt, gibt es die schönsten Effekte. Wo ist oben, wo ist unten? Was befindet sich vor der Linse, was eigentlich dahinter? Und ist das Foto nicht falsch herum?

Schwelgen in trügerischer Schönheit

ÜBER DAS GELESENE

Alles, was ich lese, stammt aus Empfehlungen, ob von Freunden oder aus dem Feuilleton ist egal. Ich gehe nicht in die Buchhandlung und kaufe nach Aussehen des Covers oder nach Genres. Bücher kommen zu mir nicht per Zufall.

Wer fünfzig Jahre lang jede Woche ein Buch läse, käme am Ende auf ungefähr 2.600 Bücher. Aber wer macht das schon? Wenn wir Glück haben, schaffen wir im Leben also vielleicht tausend Bücher. Aber nur, wenn man nicht – wie ich – früher zumindest – als man glaubte, noch ewig Zeit zu haben – Lieblingsbücher mehrfach liest. „Die Söhne der Großen Bärin“; „Menschen wie Götter“; „Der Graf von Monte Christo“; „Die Aula“; „Es“; Bücher halt, die mich berührt haben. „Müsste ich auch mal wieder lesen!“ ist so ein Satz, den ich immer wieder höre. Tu es nicht. Du hast nicht mehr viel Zeit! Jedes Jahr kommen allein Deutschland 80.000 neue Titel auf den Markt. Für 80 Leben. Da kann eine Empfehlung niemals schaden.