Aber Dara hinter den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als ihr.

Steril perfekt verliert gegen angenehm chaotisch (und trotzdem perfekt) 12 zu 516.

Mir war in dem Moment klar, dass „wir“ nichts reißen werden, als ich unser Lied das erste Mal vor ein paar Wochen gehört habe. Es stammt aus einer Retorte und die Choreographie leider auch.

Sarah hat das sehr gut umgesetzt. Aber Dara hat mich begeistert. Das hatte Witz, Ironie, war gut gesungen, die TänzerInnen verkörperten etwas wie den Wahnsinn, ist es nur ihr eigener, ist es der Wahnsinn der Zeit, man weiß es nicht. Dazu die Art, wie sie

Bangaranga

singt, als würde es etwas bedeuten. Hakuna Matata. Bloß ohne die Gemütlichkeit.

Dazu spricht sie mit ihren zarten Jahren in solidem Englisch weise Botschaften der Liebe und der verwirrten kosmischen Transzendenz … jetzt verrenne ich mich, das kommt daher, dass ich gerade „Trisolaris“ lese. Ich weiß aus den nächtlichen Interviews, dass sie seit einem Jahr verheiratet ist, und dass ihr Mann um eine Pizza mit ihr gewettet hat, dass sie gewinnt.

Ich habe nicht verstanden, warum ihr Stuhlballett am Anfang diese Folienmasken trug, warum sie in einem alten Zimmer aus Holzpaneelen mit einer sehr klassischen Uhr hockten, warteten sie auf den Lehrer?, und Bangaranga sangen. Sie waren wie eine Horde Abiturienten auf Gras.

Sie wussten, sie besaßen eine Menge nutzloser Fähigkeiten, die sie nutzten.

Ich freue mich, dass Bulgarien gewonnen hat.

Dem Land kann das nur guttun. Auch wenn nicht ein bulgarisches Wort gefallen ist, ich habe in den Offbeats ein bisschen Balkan gehört, oder hineininterpretiert.

Sarah, und das fand ich toll, hat ihre sicher vorhandene Enttäuschung gut weggesteckt.

Trost: Österreich haben wir hinter uns gelassen. 🤪

Aber ich brauchte keinen Trost. Ich war nicht traurig. Es war eine große Show. Zum 70. Jahrestag hat sich der ESC selbst übertroffen. Es bleiben Fragen: heißt Frau Swarovski so, weil sie von dem Schmuckimperium aus der Retorte gezogen worden ist? Hat ihr der Joker, der Geist von Heath Ledger, das Lächeln in die Mundwinkel geschnitzt? Wie hat Barbara Schöneberger ihre Ernährung umgestellt? Und wie zählt sich das Publikums- Voting?

Ein Wort zu Israel.

Noam Bettan ist mir nicht weiter aufgefallen, obwohl ich das Outfit seiner Tänzerinnen cool fand, Mocca-Milch-Eisbar. Dieses gigantische Ergebnis aus dem Publikumsvoting, das ihn vorübergehend auf Platz 1, schlussendlich auf Platz 2 katapultierte, lässt mich ein klein wenig zweifeln, ob das alles mit rechten Dingen zugeht. Aber ich will mich da nicht reinsteigern.

Die Organisatoren sind nicht zu beneiden. Die Sänger können nichts für ihre Regierungen. Ich finde bloß, bei der derzeitigen Lage, dass, wenn Israel mitmachen darf, auch Russland nicht ausgeschlossen bleiben dürfte. Wenn es um Opfer unter den Zivilisten geht, schlägt Israel Russland um Längen.

Aber zurück zu Dara.

Glückwunsch. Честито. Отлично се справи.

Wobei ich finde, dass der Song auf Spotify ohne Bässe und ohne Choreo bisschen langweilig ist. Aber das war Sattelite damals vor sechzehn Jahren auch. Die Performance hat es gerissen.

Auf T-Online habe ich gelesen,

dass Deutschland sich aus dem ESC zurückziehen soll,

weil die anderen uns sowieso nicht leiden können. Das haben angeblich viele LeserInnen geschrieben.

Geht’s noch? Seht es mal so: Sarah war gut. Keine Frage. Aber der Song war langweilig, und die perfekte Choreo war antiseptisch, steril, fand ich. Ich habe Platz 20 getippt. Gut, nun ist es 23 geworden. Und dass es keine Punkte aus dem Publikumsvoting gab, liegt daran, dass wir in keinem Land unter die ersten zehn gekommen sind, was ich nicht überraschend finde.

Versucht es mal mit The Work1,

wenn „ihr“ in „euer“ deutsches trotziges Selbstmitleid kippt und glaubt, dass „euch“ oder „uns“ niemand liebhat. Findet heraus aus der Selbstmitleidsfalle. Nicht mehr am ESC teilnehmen geht gar nicht.


  1. The Work of Byron Katie ↩︎